Jakob Nacken - Dichter

Schon als Kind rettete er sich aus der Not, kein Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk zu haben oft, indem er noch schnell ein Gedicht verfasste.

Auch weiterhin dichtete er; und siehe da, auf einmal waren Helge Thun und Jakob Nacken als „Team Tübingen“ die Gewinner des Teamwettbewerbs beim Slam 2004, dem  alljährlichen Dichterwettstreit des deutschsprachigen Raumes. Beim Slam 2006 und 2009 erreichte er jeweils erneut als "Team Tübingen", diesmal mit Harald Kienzler Platz 2. Überhaupt treibt er sich gerne mal auf dem einen oder anderen Poetry Slam herum und hat einige  Zeit den Tübinger Poetry Slam im Epple Haus moderiert (alias Dr. Galaktus). 

Er dichtete auch bei der Reimshow „Reim gewinnt!“ mit, die 2 Jahre im Theaterhaus Stuttgart und im Landestheater Tübingen lief.

Aus den Konzepten von "Reim gewinnt!" und Poetry Slam entwickelte er gemeinsam mit Helge Thun das erfolgreiche Projekt "Raus mit der Sprache!", ein Jugendprojekt an Schulen in der Region Tübingen mit den Schwerpunkten kreatives Schreiben und Text-Performance.

Zum Abschluss dieses Projektes findet jedes Jahr ein großes U20-Poetry Slam Finale im Landestheater Tübingen (LTT) statt.




 

 

 

Harald Kienzler und Jakob Nacken beim SLAM 2006 in München

 

Hier mal ein kleines Beispiel aus Jakobs Textküche:

 

ES GIBT MICH NICHT!

Es gibt mich nicht! Ihr bildet mich euch ein!

Ihr denkt hier würde einer sein

Der in das Mikrofon spricht

Aber es gibt mich nicht!

 

Es gibt mich nicht! Ich bin nur eine Illusion

Eine dreidimensional greifbare Halluzination

Eine kollektive rein fiktive Konstruktion

Eures Geistes eine Täuschung eine Projektion

Auf der Leinwand Verstand ohne Hand und Fuß

Ohne Nase und Ohr

Ihr stellt euch mich nur vor!

 

Es gibt mich nicht! Das ist so gut zu Wissen

Denn die Zeit meines scheinbaren Seins war echt beschissen

Weil ich immer glaubte irgendjemand sein zu müssen

Doch das ist jetzt endlich vorbei und ich bin frei und könnt euch küssen vor Glück

Ich muss nie wieder in mein Ich zurück.

 

Viele glauben immer noch ich würde existieren

Doch wahrscheinlich ist das nur darauf zurückzuführen

Dass die meisten selber glauben irgendjemand zu sein

Man sagt es einem auch von kleinauf ein

Und sage ich das sei nur Schein sieht es keiner ein.

 

Man sagt dir,

du bist ein Mensch, ein lieber Junge,...

oder du bist kein Junge...

dann hältst du dich wohl für ein Mädchen...

oder aber eine Frau,

oder beides; eine Frau

und tief im Innern noch ein Mädchen,

weil man sagte: böses Mädchen,

hübsches Mädchen, kluges Mädchen

da, die Umkleide für die Mädchen!

Mein kleiner Schatz, du Frechdachs du,

so meine Liebe hör mal zu:

Und dann gibt man dir nen Namen

Und du musst ihn ständig sagen

Weil dich alle danach fragen

Wissen wollen wer du bist

Und man zwingt dich ihn zu tragen

Weil jeder schließlich jemand ist

Ständig heißt es, Hallo Helen!

Hallo Jochen! Hallo Nina!

Steffi, Alex, Sandra, Ute, Franzi, Michi, Jörg, Martina

Und ein Paar Jahre später dann noch

Guten Tag Frau Petermann!

Und schon glaubst du Mensch zu sein

unter Menschen, und sagst "mein",

weil du dich für jemand hältst

es heißt ja: Glaube an dich selbst!

Wenn du an dich selbst glaubst dann kannst du alles schaffen

Und schon fängst du an zu glauben und machst dich dabei nur zum Affen...

 

Denn viele Türen sind verschlossen und die Sprossen der Leiter

weiter auseinander und du kommst leider nicht weiter.

Doch wenn das passiert liegt das meistens daran

Dass man nicht mehr registriert, was steht eigentlich an,

weil man vebarrikadiert ist, lässt nichts an sich ran

wenn die Sinne blockiert sind geht’s nicht mehr voran.

sei froh wenn dir das auffällt

Mit einem mal ein Einfall, ein einfallender Lichtstrahl

der aus dem weiten Weltall in diese kleine Welt fällt

und die ganze Welt hält an,

die Zeit bleibt stehn

Und du fängst an dich auszudehnen

Raus aus deinem Kreislauf

Gib alles was du weißt auf

um Platz zu machen für das Erwachen

 

Zu merken, dass das alles gar nicht  wirklich exisitiert

Dass man weder gewinnt noch verliert

Dass nichts passiert...

 

Ihr haltet euch für informiert

Doch hat man euch hypnotisiert

 

oh ihr Leichtgläubigen... ihr

ihr glaubt ja alles was man sagt,

dass blonde Strähnchen gut aussehen! Oder dass man jeden Tag

nutzen sollte, ihr glaubt Entscheidungen sind wichtig

und wenn das eine falsch ist sei das andere wohl richtig

Und man glaubt so gern daran

dass man an nichts was ändern kann

Oder an ein weißeres Weiß als das weißeste Weiß

oder an den Tod, den mathematischen Beweis

man glaubt wenn wer was tolles hat

dann wolle man das auch

Glaubt dass man all das braucht und dass es schadet wenn man raucht

Dass es nichts Schöneres gibt als die eine große Liebe

Glaubt so oft dass einem gar nichts andres übrigbliebe

Glaubt an Notwendigkeit an den Fortgang der Zeit

Glaubt man wäre schon so weit

Und zu jedem Fight bereit...

 

Tja... man glaubt es halt, man glaubt

und glaubt und glaubt und glaubt und glaubt

aber warum denn überhaupt?

Man spielt mit uns doch nur ein Spiel!

ich sage euch: glaubt nicht so viel

glaubt nicht der Mehrheit,

glaubt nicht den Mächtigen

glaubt nicht den Lehrern

glaubt nicht den prächtigen buntschillernd strahlenden Wahrheitsverkündern

ihr müsst euch selber am Dranglauben hindern

glaubt nicht der Wirtschaft

glaubt nicht dem Gericht!

vor allem aber:

glaubt mir nicht!

Denn es gibt mich nicht!

Wirklich nicht...